Wien, 8.5.07
PRESSEAUSSENDUNG
RegioPlan Consulting analysiert:
Mit 1,7 Mio m² Shopping Center-Fläche und einem entsprechenden Abdeckungsgrad von 20 m² pro 100 Einwohner ist Österreich mit Einkaufszentren eigentlich gut versorgt. Und doch werden jedes Jahr neue Center eröffnet oder Projekte gemeldet - ein Ende ist nicht in Sicht. Wann wird der Zenit erreicht sein, wieviel ist genug? Mag. Bomba-Wilhelmi, Marketingleiterin beim Standortberater RegioPlan bringt es auf den Punkt: „Shopping Center unterliegen wie der restliche Handel auch dem freien Wettbewerb, solange ich besser bin als ein anderer habe ich am Markt Chancen“.
Im Handel gibt es viele Faktoren, die zum Erfolg führen können, einer davon heißt Differenzierung. Für Shopping Center gibt es dafür nicht viele Möglichkeiten. Spezialisierungen funktionieren bei Shopping Centern in Österreich nachweislich nicht, doch nun gibt es wieder einige Versuche, der Uniformität am Shopping Center-Markt zu entkommen - durch Architektur.
Durch die Bahnhofsoffensive und den zeitgleichen Umbau der wichtigsten Bahnhöfe in Wien ergibt sich eine einzigartige Häufung von Handelsprojekten am Standort Bahnhof. Sowohl der neue Zentralbahnhof, der Westbahnhof als auch die Bahnhöfe Wien Mitte und Wien Nord sollen in den nächsten Jahren zusätzlich 60.000 m² an Handelsfläche bringen.
In Österreich existieren rund 120 Einkaufszentren mit über 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, mindestens fünf Shops und einer durchgängigen Mall. Standortberater RegioPlan hat die 100 größten untersucht: Im Durchschnitt werden die Shopping Center immer größer, hatten die Top 100 Shopping Center 2004 noch eine Gesamtfläche von 1,53 Mio. m², sind es heute 1,68 Mio. m² - das entspricht einer Durchschnittsgröße von ca. 16.800 m² je Shopping Center. Die größte Dichte im Bundesländervergleich weist Wien auf mit 25,6 m² Verkaufsfläche pro 100 Einwohner, gefolgt von Kärnten mit 22,4 m². Die wenigsten Shopping Center und die geringste Dichte haben die Vorarlberger, die mit nur 11,2 m² pro 100 Einwohner auskommen müssen.
| Bundesland | Anzahl Einkaufszentren |
Abdeckungsgrad m²/100 EW |
| Wien | 24 | 25,6 |
| Niederösterreich | 15 | 19,1 |
| Oberösterreich | 17 | 21,4 |
| Steiermark | 12 | 18,3 |
| Tirol | 9 | 19,0 |
| Kärnten | 9 | 22,4 |
| Salzburg | 8 | 17,0 |
| Burgenland | 3 | 16,8 |
| Vorarlberg | 3 | 11,2 |
| Österreich | 100 | 20,3 |
Quelle: RegioPlan Consulting GmbH „Shopping Center Top 100 - Ausgabe 2007“
Fünf Projekte mit einer Verkaufsfläche von insgesamt rund 65.000 m² sind allein im letzten Jahr realisiert worden, ca. 55.000 m² kommen im Laufe dieses Jahres dazu. „Insgesamt sind uns Projekte im Ausmaß von 600.000 m² bekannt,“ rechnet Mag. Hanna Bomba-Wilhelmi vor, „erfahrungsgemäß werden jedoch nicht alle tatsächlich realisiert, wir rechnen mit etwa 340.000 m² in den nächsten 3-4 Jahren.“ Doch wie viele brauchen, oder besser gesagt vertragen wir noch?
In Österreich gibt es im Grunde keinen konsumorientierten Bedarf mehr an Shopping Centern, es herrscht Verdrängungswettbewerb. Aber wie für Handelsbetriebe gilt auch für die Shopping Center die freie Marktwirtschaft. Die Entscheidung, ein SC-Projekt zu entwickeln ist immer subjektiv und die Realisierung ist ohnehin an zahlreiche Auflagen gebunden - wie Widmungsverfahren, Handelsstrukturgutachten, etc. Übersteht ein Projekt diese Hürden und ist auch ein Investor und ein Betreiber gefunden kommt eigentlich die wichtigste Phase - die Planung. „Werden in der Planungsphase Fehler gemacht, kann sie auch das beste Centermanagement nicht mehr wett machen“, stellt Bomba-Wilhelmi fest. „Aber gerade da werden zu oft zu viele Kompromisse eingegangen. Die Gefahr ist dann groß, dass jemand anderer weniger Abstriche gemacht hat.“ Dabei gilt: je besser die Kundenbedürfnisse befriedigt werden, umso erfolgreicher wird das Shopping Center sein. „Neben den Faktoren Auswahl, Erreichbarkeit, Einkaufsatmosphäre und Parkplätze ist vor allem die Größe ein wesentliches Kriterium“, fasst Mag. Bomba-Wilhelmi zusammen. „Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung können wir Shopping Center in drei nachweislich funktionierende Größenkategorien einteilen, von denen jede eine bestimmte Funktion erfüllt. Jede dazwischenliegende Größe ist eher kritisch“, so Bomba weiter:Einkaufszentren sollten sich voneinander unterscheiden, um einen gewissen Wiedererkennungswert zu haben. Versuche, sich über Spezialisierungen im Sortiment abzuheben haben in Österreich bisher nicht funktioniert. Nun gibt es neue Konzepte, um aus der Uniformität auszubrechen: Der vor kurzem eröffnete Murpark in Graz hat sich an eine ganz neue, offene Architektur herangewagt und versucht auf diesem Weg eine Differenzierung von konventionellen Shopping Centern. Auch das Projekt Leoben City Shopping, das im Herbst eröffnen wird setzt ein neues architektonisches Konzept um, erstmals werden historische Gebäude mit modernem Einkaufserlebnis kombiniert. Ein weiteres interessantes Beispiel für eine mögliche Positionierung ist das Atrio in Villach. Dort fungiert die Lage des Centers im Dreiländereck als Motto mit dem Leitspruch „senza confini - ohne Grenzen“, der sich sowohl in der Architektur, in der Farbgebung als auch in der Sprache niederschlägt. „Wie diese Konzepte angenommen werden wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Auf jeden Fall ist ein neuer Mut zur Differenzierung spürbar, der zu mehr Vielfalt in der Shopping Center-Landschaft führt und daher zu begrüßen ist“, zeigt sich Mag. Bomba-Wilhelmi erfreut.
Die Erneuerung der Bahnhöfe in Wien war schon längst fällig, neu ist aber das Konzept des Bahnhof Shopping, das an allen großen Wiener Bahnhöfen realisiert werden soll. Ob West-, Zentral-, Nord-, oder Bahnhof Wien Mitte, insgesamt sollen 60.000 m² Shoppingfläche an Bahnhöfen entstehen. Die Vorteile des Standortes liegen auf der Hand - viel Frequenz, zentral gelegen und bekannt - doch der Bahnhof als Standort für ein Shopping Center wird überschätzt. „Ein Bahnhof erfüllt vorwiegend die Funktion des Ankommens und Verreisens, die hohe Frequenz alleine sagt daher nichts aus. Wichtig ist, in welcher Einkaufssituation sich der Kunde gerade befindet. Für ein Bahnhofs-Shopping Center ergeben sich daher nur zwei Möglichkeiten: die Versorgung der Reisenden mit kurzfristigen Gütern oder ein überregionales Einkaufszentrum mit entsprechender Größe“, erläutert Bomba.
| Rang 2007 |
Top 10 Shopping Center nach Verkaufsfläche |
Ort | Veränderung zum Vorjahr |
| 1 | SCS Shopping Mall | Vösendorf | |
| 2 | Plus City | Pasching | |
| 3 | Shoppingcity Seiersberg | Seiersberg | |
| 4 | Donauzentrum | Wien | |
| 5 | Huma Einkaufspark | Wien | |
| 6 | Center West | Graz | |
| 7 | Europark | Salzburg | |
| 8 | Uno Shopping Center | Leonding | |
| 9 | Haid Center | Haid | neu |
| 10 | Citypark | Graz |
Quelle: RegioPlan Consulting GmbH "Shopping Center Top 100 - Ausgabe 2007
Seit über 20 Jahren führt RegioPlan Consulting Standort- und Marktuntersuchungen durch und hat sich als Spezialist für länderübergreifende Standortberatung und Regionalplanung, der Marktforschung sowie des Consultings in Mittel- und Osteuropa etabliert. Neben Marktdaten in Form von aktuellen „Studien auf Knopfdruck“ bieten wir maßgeschneiderte Konzepte und Analysen zu individuellen Fragestellungen rund um das Thema Standort. Unser umfassendes Portfolio beinhaltet aktuell 26 „Studien auf Knopfdruck“ für Osteuropa und 21 Studien für den österreichischen Markt.
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